Viele Organisationen im Soziokratie-Netzwerk arbeiten mit hoher Sorgfalt an ihren Entscheidungsprozessen. Rollen werden geklärt, Verantwortlichkeiten verteilt, Beschlüsse getroffen, dokumentiert und laufend reflektiert. Gleichzeitig zeigt die Praxis ein wiederkehrendes Muster:
Governance-Informationen verteilen sich im Alltag leider oft auf viele Orte und müssen manuell aktualisiert werden – Protokolle, Cloud-Ordner, Tabellen, Boards und Einzeltools.
Typische Folgen sind:
- Beschlüsse sind dokumentiert, aber später im Kontext schwer auffindbar.
- Abgelaufene oder überholte Beschlüsse sammeln sich unbemerkt an.
- Aufgaben und Entscheidungen laufen nebeneinander statt miteinander.
- Wichtiges Organisationswissen konzentriert sich wieder bei einzelnen Personen.
Genau hier setzt die Frage nach Digital Governance Infrastructure (DGI) an. Gemeint ist ein Decision-Layer zwischen Methode und Alltag – Single Source of Truth für die Governance einer Org: die Rollen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten bis zur Umsetzung nachvollziehbar miteinander verknüpft.
„Viele Organisationen haben mit Soziokratie bereits geeignete Strukturen für Mitbestimmung – aber ihnen fehlt oft eine digitale Governance Struktur, an der wirklich alle Fäden zusammenlaufen.“ – Florian Bauernfeind
Für viele Menschen im Netzwerk ist der Begriff Logbuch vertraut. Das ist ein wichtiger Bezugspunkt: Ein Logbuch schafft Transparenz darüber, was entschieden wurde. Mit wachsender organisatorischer Komplexität reicht lineare Dokumentation allein jedoch oft nicht mehr aus. Ein Logbuch dokumentiert Entscheidungen. Eine moderne digitale Governance-Infrastruktur-Lösung verbindet Entscheidungen mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Umsetzung – und hält sie langfristig konsistent und nachvollziehbar.
Was braucht es, damit Entscheidungen nicht nur festgehalten werden, sondern im Organisationsalltag tatsächlich wirksam und verbindlich werden?
Das Soziokratie Zentrum Österreich beschäftigt sich ab Herbst 2026 systematisch mit der Frage, wie NPOs ihre Governance-Informationen nachvollziehbar dokumentieren, miteinander verbinden und im Organisationsalltag wirksam halten können.
Gemeinsam mit Organisationen und Fachpersonen wollen wir praktische Erfahrungen, Anforderungen und Good Practices durch Umfragen, Interviews, Workshops und Erprobungsformate entwickeln und reflektieren. Die Mitwirkung ist freiwillig und setzt weder die Nutzung einer bestimmten Software voraus.
Wir suchen nun Interessierte NPOs unterschiedlicher Größe und Typen die Mitbestimmung und Selbstorganisation anstreben oder bereits leben.
Parallel wird an Kooperationen gearbeitet, um Erfahrungen aus der Praxis in die Entwicklung von Lösungen einfließen zu lassen.
So wird sichtbar, worauf es langfristig ankommt: nicht nur bessere Entscheidungsprozesse, sondern eine digitale Umgebung, die Mitbestimmung und Selbstorganisation dauerhaft trägt.
Möchtest du mit deiner Organisation mitwirken? – etwa in Form von Interviews, Workshops, Piloten oder einfach durch Updates – gleich hier melden: