Viele Organisationen im Soziokratie-Netzwerk arbeiten mit hoher Sorgfalt an ihren Entscheidungsprozessen. Rollen werden geklärt, Verantwortlichkeiten verteilt, Beschlüsse getroffen, dokumentiert und laufend reflektiert. Gleichzeitig zeigt die Praxis ein wiederkehrendes Muster:

Governance-Informationen verteilen sich im Alltag leider oft auf viele Orte und müssen manuell aktualisiert werden – Protokolle, Cloud-Ordner, Tabellen, Boards und Einzeltools.

Typische Folgen sind:

  • Beschlüsse sind dokumentiert, aber später im Kontext schwer auffindbar.
  • Abgelaufene oder überholte Beschlüsse sammeln sich unbemerkt an.
  • Aufgaben und Entscheidungen laufen nebeneinander statt miteinander.
  • Wichtiges Organisationswissen konzentriert sich wieder bei einzelnen Personen.

Die Organisation arbeitet mit SKM – aber ihre digitale Struktur bleibt oft fragmentiert.

Genau hier setzt die Frage nach Digital Governance Infrastructure (DGI) an. Gemeint ist ein Decision-Layer zwischen Methode und Alltag – Single Source of Truth für die Governance einer Org: die Rollen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten bis zur Umsetzung nachvollziehbar miteinander verknüpft.

„Viele Organisationen haben mit Soziokratie bereits geeignete Strukturen für Mitbestimmung – aber ihnen fehlt oft eine digitale Governance Struktur, an der wirklich alle Fäden zusammenlaufen.“ -Florian Bauernfeind

Für viele Menschen im Netzwerk ist der Begriff Logbuch vertraut. Das ist ein wichtiger Bezugspunkt: Ein Logbuch schafft Transparenz darüber, was entschieden wurde. Mit wachsender organisatorischer Komplexität reicht Dokumentation allein jedoch oft nicht mehr aus. Ein Logbuch dokumentiert Entscheidungen. Eine moderne digitale Governance-Infrastruktur-Lösung verbindet Entscheidungen mit Rollen, Verantwortlichkeiten und Umsetzung – und hält sie langfristig konsistent und nachvollziehbar.

Was braucht es, damit Entscheidungen nicht nur festgehalten werden, sondern im Organisationsalltag tatsächlich wirksam und verbindlich werden?

Das Soziokratie Zentrum Österreich möchte sich künftig verstärkt mit diesen Fragen beschäftigen – unter anderem durch Umfragen, Interviews und Workshops.

Parallel wird an einer Kooperation mit OrgaLog gearbeitet, um Erfahrungen aus der Praxis in die Entwicklung einfließen zu lassen und Mitgliedern künftig Zugang zu ermöglichen.

OrgaLog ist dabei nicht nur als digitales Logbuch gedacht, sondern als umfassender Ansatz, der Governance-Aspekte strukturell verbindet und in klar definierten Prozessen auch die Umsetzung und Überprüfung von Entscheidungen unterstützen kann.

So wird sichtbar, worauf es langfristig ankommt: nicht nur bessere Entscheidungsprozesse, sondern eine digitale Umgebung, die Mitbestimmung und Selbstorganisation dauerhaft trägt.


Möchtest du an dieser Entwicklung mitwirken? – etwa in Form von Interviews, Workshops, Piloten oder einfach durch Updates – gleich hier melden:

Interessen an DGI und OrgaLog

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Interesse / Bereitschaft zum Thema DGI / OrgaLog
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Warum ausgerechnet Genossenschaft und Soziokratie kombinieren? Wie bringen wir gesetzliche Regelungen (DE/AT) und soziokratische Ansprüche unter einen Hut? Welche Lösungen haben sich in der Praxis bewährt?

Fazit: Soziokratie ist ein ideales Organisationsmodell für Genossenschaften / Die Rechtsform “Genossenschaft” ist ideal für soziokratische Unternehmen. In Kombination ist GenSo ideal für Mitunternehmerschaft in selbstverwalteten Unternehmen.

Beim unserem Online-Symposium am 20.9. waren mehr als 70 Teilnehmende anwesend. Wir dürften mit GenSo wirklich einen Nerv getroffen haben.

Die Essenz der Projektergebnisse steht ab nun als GenSo-Guide (auf 44 Seiten) kostenfrei per Download zusammen mit Begleitmaterial bereit. Der Guide ist in erster Linie für Berater:innen, aber auch mit Blick auf interessierte Unternehmer:innen und Gründer:innen geschrieben, um diesen Orientierung und praktische Tipps zur Anwendung zu bieten.

Projektdetails und GenSo-Guide zum Download

Tipp: GenSo-Workshop im Jänner online

 

 

Das Projekt wurde durch Soziokratie Zentrum Österreich, Otelo eGen und Soziokratie Zentrum Augsburg umgesetzt, mit Unterstützung das Erasmus+ Programm.

Von der Europäischen Union finanziert. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen des Autors bzw. der Autoren und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.

Soziokratische Nachbarschafts Kreise in Europa: Wie partizipative Entscheidungsfindung Nachbarschaften in die Lage versetzt, für lokale und globale Bedürfnisse wirksam zusammenzuarbeiten.

Die 2-jährige Ersamus+Partnerschaft SoNeC mit Organisationen aus 6 europäischen Ländern geht zu Ende. Seit Kurzem sind die Projektergebnisse in einem kompakten Handbuch verfügbar. Lernen Sie die Funktionsweise von soziokratischen Nachbarschaftskreisen kennen und lesen Sie über die Herausforderungen bei der Umsetzung, aber auch über die Chancen, die resiliente Nachbarschaftsgemeinschaften bei der Bewältigung der sozialen und globalen Krisen in Europa bieten.

Mehr Infos zum Projekt finden Sie hier: www.sonec.org. Bei Interesse laden wir Sie gerne zu einem weiterführenden Informations-Austausch ein, Sie können sich mit Fragen, Anliegen oder Ideen gerne an [email protected] wenden.

SoNeC Handbook German
Size : 11.5 MB Format : PDF