Soziokratie im Schmuckatelier

SOZIOKRATIE BEI SCHMUCKATELIER THOMAS BECKER

Schmuckatelier Thomas Becker in Hamburg führt die Soziokratie ein, mit erheblichen Folgen: Der Geschäftsführer hat mehr Zeit, um über die Zukunft nachzudenken, die Mitarbeiter führen die Aufgaben, die sie von ihm übernommen haben, mit großem Selbstvertrauen aus.Anders wollen sie nicht mehr arbeiten, „Ehe man sich versieht, sind sie süchtig nach dieser Methode.”

Wenn Sie in einer großen Organisation mit Hunderten von Kollegen zusammenarbeiten, kann man manchmal neidisch auf kleine Unternehmen werden. Aber auch kleine Unternehmen, wie das Schmuckatelier mit 7 MitarbeiterInnen, haben ihre Arbeit zu organisieren. Es tut gut Klarheit über die Rollen und Verantwortlichkeiten zu haben. Das bringt Transparenz, Frieden und Erfolg.

Fragen Sie die Leute von Schmuckatelier Thomas Becker. Sie arbeiten seit dem vergangenen Jahr mit SKM. „Mit der Kreisstruktur die wir entworfen haben, haben wir das Geschäft tatsächlich gut aufgebaut“, sagt Thomas Becker, Inhaber und Goldschmied. „Alles läuft jetzt viel besser.“

Thomas Beckers Atelier für Schmuck besteht seit achtzehn Jahren. Die Goldschmiede entwirft Schmuck aus Fair-Trade-Rohstoffen: Edelmetalle und Edelsteine bekannter Herkunft und fair gehandelt. Sie beschäftigt sieben Personen. Sechs Kreise zählt ihre Organisation, jeder Mitarbeiter ist in mindestens zwei Kreisen. Aber schlimm finden sie das nicht.

Thomas Becker

Eigentümer Thomas Becker

Viel mehr Klarheit
Thomas Becker: „Die neue Struktur schafft viel Klarheit. Früher hatte ich das Gefühl, dass ich gelegentlich schwamm, nun aber nicht mehr. Wir hatten nicht genug Aufmerksamkeit für die eigene Organisation. Wir waren sehr beschäftigt mit der Arbeit im Hier und Jetzt. Entscheidungen wurden auf unterschiedliche Weise gefällt. Das eine Mal haben wir sie alle zusammen entschieden, ein anderes Mal habe ich den Knoten alleine gelöst. Das war verunsichernd. „Jetzt gibt es regelmäßige Treffen im Kreis. Themen wie Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung und Projekte haben ihren eigenen Kreis.”

Feri

Mitarbeiterin Feri Eckel

“Ich fühle mich sicherer”
Mitarbeiterin Feri Eckel, auch Goldschmiedemeisterin, denkt die Dinge laufen wirklich anders. „Früher taten wir die Dinge, weil wir sie immer so gemacht haben, aber jetzt tun wir sie, weil wir uns dafür entschieden haben. Daher fühlt sich jeder unabhängiger.”

Eckel erläutert, was das für sie in der Praxis bedeutet. „Ich mache Werbung. Jetzt weiß ich genau, welches Budget zu Verfügung steht und welche die Kriterien für die Magazine wichtig sind, worin wir publizieren. Zuvor besprach ich alles aus Unsicherheit mit Thomas. Immer noch kann ich Fragen an ihn stellen. Aber ich fühle mich jetzt viel sicherer auch meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Das tue ich, und es funktioniert besser.” Andere Mitarbeiter erfahren das auch in ihrer Arbeit.

Gemeinsam sind wir stärker
Sein Team hat Becker vor fünf Jahren gebildet. In einem schwierigen Markt für Goldschmiede war es nicht einfach zu bestehen. „Die Menschen wollen nicht mehr hochwertigen Schmuck, den sie ein Leben lang tragen. Jedes halbe Jahr gibt es Veränderungen in der Mode. Sie kaufen Accessoires lieber billig, und bevorzugen es Online einzukaufen. Thomas Becker hat einen Management-Kurs besucht, weil er mehr über Marketing und Organisation wissen wollte. Das fand er in diesem sich ändernden Markt wichtig. Er erkannte dann auch: Einzelgängertum bringt uns nicht weiter, ein Team kann sich gegenseitig ergänzen. „Jetzt können wir unsere Kunden besser bedienen. Die Aufträge, die wir erhalten, sind auch anspruchsvoller geworden.”

Wer zusammen arbeitet, muss auch Entscheidungen gemeinsam treffen. Becker wollte nicht, dass die Mitarbeiter mitentschieden, aber sich nicht verantwortlich fühlten, wenn die Dinge schief liefen. Er wollte es strukturiert angehen. So kam er zur SKM.

Freiheit und Verantwortung
Mit dem Konsent geht das gemeinsame Beschließen viel besser. Becker: „Jetzt geht es um die Argumente. Was ist klüger und sinnvoller? Nach und nach wird klar: Wer in seiner Arbeit die Freiheit will, muss auch Verantwortung übernehmen. Mit der SKM ist das möglich.”

Der Konsent verändert viel. Feri Eckel: „Wir fühlen uns jetzt unwahrscheinlich verbunden mit den Entscheidungen, die wir gemeinsam treffen. Zu Weihnachten haben wir uns entschieden, einiges von unserem Weihnachtsgeld an die Gold-Kooperative zu geben, mit der wir zusammenarbeiten. Das war nicht das Gefühl, eine gute Tat zu tun, sondern als Investition in unsere langfristige Beziehung mit diesen Lieferanten. „Die Runden sind nicht mehr wegzudenken”. Becker: „Eine der Angestellten sagte nie viel im Gespräch, aber in den Runden bekommt sie das Wort, wie jeder andere auch. Ihre Beiträge sind sehr wertvoll. Jeder kann nun seine Meinung sagen und lässt die anderen ausreden. Becker hält das für eine große Bereicherung.

Zeit für wichtige Aufgaben
Als Ergebnis der Arbeit mit der SKM konnte Thomas Becker, der Besitzer des Ateliers ist, einen Teil seiner Aufgaben abtreten. Andere Teammitglieder sind ebenso geeignet, Aufgaben wie Qualitätsüberwachung, Kundenberatung, Aufsicht über die Produktion usw. zu übernehmen. Das ist gewöhnungsbedürftig, er lacht, manchmal hat er noch den alten Reflex etwas zu überprüfen, das ein anderer gemacht hat und er vorher selbst machte.

Aber die Vorteile sind groß, sagt er. „So habe ich mehr Zeit für die Dinge, für die ich früher manchmal keine Zeit hatte. Langfristige Planung, Strategie, Analyse des Einkaufs der letzten Jahre. Es ist gut für das Unternehmen, mehr Aufmerksamkeit auf diese Themen zu lenken. Kürzlich haben wir meinen Plan im allgemeinen Kreis besprochen [darin sitzen die Führungskräfte aus den verschiedenen Kreisen und je eine Delegierte dieser Kreise gemeinsam mit dem Geschäftsführer – Hrsg.]. Es ist wichtig, dass ich das Wissen, das in meinem Kopf ist, teilen kann. Die Leute können es für ihre eigenen Bereiche nutzen .”

Sowohl ein eigener als auch ein gemeinsamer Kurs
“Wenn das eigene Terrain so klar definiert ist, kann jeder Kreis seinen eigenen Kurs segeln“, so Feri Eckel. Aber mit seinem eigenen Ziel ist der Kreis auch mit dem Zweck des Unternehmens verbunden. „Jeder Kreis segelt in die gleiche Richtung wie das Mutterschiff. Die Energie bündelt sich. „Nehmen Sie unsere Lieferanten für verantwortungsvoll gewonnenes Gold. Derzeit sind Lieferungen unberechenbar. Jetzt schauen wir im allgemeinen Kreis darauf: Wie können wir das Problem lösen? Werden wir es schaffen mit unseren Recycling-Rohstoffen? „Früher wurde das Problem nicht von allen mitgetragen”.

Nicht aus einem Buch
Kann man die SKM aus einem Buch lernen und dann in der eigenen Praxis umsetzen? Ein solches Buch gibt es schließlich, mit einer Erklärung der Methode. Thomas Becker lacht. „Ich kenne das Buch auch. Es ist ein kompaktes Nachschlagewerk, das ist sicher. Aber für eine gute Einführung brauchen Sie jemanden, der die SKM bis zur Perfektion beherrscht. Nur ein solcher Mensch kann sie Ihnen vermitteln und Ihnen helfen, zu lernen, wie sie die SKM nutzen können.” Er ist sehr zufrieden mit der Begleitung von Pieter van der Meche, der immer wieder nach Hamburg kam. „Er verkörpert die SKM und hat dazu auch Humor.“

Am Ende des Interviews fragen sich Becker und Eckel wie es wohl wäre, wenn jemand ihre Werkstatt verlässt. Wie wird sich jemand in in einer traditionellen Umgebung wieder zurechtfinden? Sie selbst können sich das nicht mehr vorstellen. Thomas Becker, „Verwenden Sie die SKM und ehe man sichs versieht, sind Sie süchtig.“

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