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Imkonsent – die Soziokratieberatung OG hat erfolgreich gestartet

Barbara Strauch führte das Interview mit Katharina Liebenberger

B: Danke, dass du dir die Zeit nimmst, Katharina! Ich freue mich, dass ich diesen Part übernommen habe dich zu interviewen, denn ich bin wirklich schon ganz neugierig. Ist denn euer Traum von einem Soziokratie-Beratungsunternehmen in Wien in Erfüllung gegangen?

K: Ja, ganz sicher! Einer der Träume war ja gemeinsam als Team in See zu stechen. In der Arbeit mit unserem wunderbaren Coach haben wir uns ein Boot vorgestellt, auf dem wir alle gemeinsam segeln. Das ist auf das Wunderbarste geglückt.

 

www.imkonsent.at  

Das imkonsent – Team: Markus Spitzer, Annemarie Schallhart, Katti Lechthaler, Helmut Friedl und Katharina Liebenberger.

K: Ursprünglich war unser Ziel, uns ganz auf Unternehmen zu fokussieren, weil wir dort das größte Potential geortet haben. Als auch viele unternehmerisch geführte NonProfit-Organisationen angeklopft haben, haben wir unsere Zielgruppe erweitert. Wir zeigen uns auf verschiedenen Konferenzen mit Workshops und als Teilnehmer*innen, und gehen auch interdisziplinär, zusammen mit Kollegen*innen aus ähnlichen Feldern, auf die Unternehmer-Welt zu.

B: Kann man sagen, dass ihr ausgelastet seid? Ich erinnere mich, als wir 2015 die Soziokratie-Experten-Ausbildung in Österreich gestartet haben, dass meine Einschätzung war, es würde bald der große Boom kommen?

K: Ja, es ist enorm viel Nachfrage. Das ist toll. Unternehmen kommen jetzt auf uns zu, weil die Zeit reif ist, sich jetzt für Beteiligungsformen zu entscheiden. Wir müssen kaum etwas akquirieren. Etwa drei bis vier Implementierungen kann ein Soziokartie Experte parallel begleiten. Das sind bei mir zB. eine Kindergruppe, eine Schule, ein mittelständiges Unternehmen im Bereich Naturkosmetik und ein Wohnprojekt mit Eigentümer-Struktur.

Eigentümer geführte, mittelständische Unternehmen profitieren am meisten von der SKM.  In meinem aktuellen Beispiel war bereits eine ausgezeichnete Gemeinwohl-Bilanz vorhanden und das Unternehmen hat sehr gute Wachstumsraten. Anlass war auch hier, wie so oft, dass die Eigentümer den Betrieb übergeben wollen, und zwar an die Mitarbeiter*innen. Damit das gelingt, denken manche Pioniere*innen sehr weitsichtig und lassen sich auf einen Prozess ein, die Mitarbeitenden fit zu machen, um das Unternehmen selbstorganisiert zu führen. Solche Eigentümer*innen sehen eben das Potential im Modell und der Philosophie von Soziokratie. Die nächsten Kunden stehen vor der Tür und wir freuen uns, wenn Markus Spitzer mit Jahresende wieder aus seinem Sabbatical zurückkommt. Aufgrund unserer hohen Auslastung sind wir in den kommenden Jahren offen für neue Kollegen*innen mit einer abgeschlossenen CSE-Ausbildung. Es gibt bei uns aktuell eine Anbahnung.

B: Welche spannenden Projekte begleiten denn deine Kolleginnen?

K: Es gibt zB. zwei SKM-Implementierungen in mittelständigen Unternehmen in Eigentümer-Hand in Berlin. Ein Gesundheits-Unternehmen und ein Anbieter für Sozialleistungen. Auslöser für diese Unternehmer ist oft das Bedürfnis, als Eigentümer eine andere Rolle einzunehmen, wenn die Firma wächst und mehr Verantwortungsübernahme gebraucht wird. Dann wollen die Eigentümer*innen Sicherheit gewinnen, dass die Verantwortung von den Mitarbeitenden auch wirklich übernommen wird.

B: Was sind aus eurer Erfahrung die größten Herausforderungen für die Unternehmen, wenn sie SKM einführen?

K: Dass die Pioniere gewohnt sind, bislang allein zu entscheiden. Sich zu trauen in die Augenhöhe zu gehen, dass das möglich ist zuzulassen, das ist eine große Herausforderung. Es muss sich erst herausstellen, ob die Augenhöhe dann wirklich gelebt wird, sodass die Mitarbeiter*innen sehen, dass ihre Meinung und Mitentscheidung wirklich erwünscht ist. Das hängt stark von den Führungskräften ab und ist zugleich eine große Herausforderung für Pioniere, die manchmal an ihre Grenzen stoßen. Nur wer immer mehr bereit ist, etwas dazu zu lernen und sich auch etwas sagen zu lassen, andere Meinungen gelten und stehen zu lassen, ohne sie sofort vom Tisch zu wischen, wird mit der SKM die gewünschten Ziele erreichen. Für das Wohl des Unternehmens soll nicht einzig und allein der Pionier zuständig sein, sondern auch andere können im Sinne des Ganzen denken und wichtige zusätzliche Gesichtspunkte ins Spiel bringen. Die Erweiterte Perspektive in einer Teambesprechung als Gewinn statt als Bedrohung des eigenen Standpunktes, das ist eine Frage von Vertrauen. Der beste Weg dieses Vertrauen aufzubauen ist, es Schritt für Schritt mit Soziokratie zu arbeiten und die Führungskräfte im Einstieg in ihre neuen Führungsaufgaben zu begleiten. Alle brauchen dazu Zeit, die Mitarbeiter*innen, die Führungskräfte und die Pioniere, das neue Miteinander im Tun zu erleben und KnowHow gezielt aufzubauen.

B: Wie sinnvoll siehst du es, noch mehr Soziokratie-Experten*innen im deutschsprachigen Raum auszubilden? Auch 2019 haben wieder 12 Anwärter*innen mit der Ausbildung zum Certified Sociocracy Expert CSE begonnen, und das obwohl wir die Anforderungen Jahr für Jahr angehoben haben.

K: Das Feld wird wachsen. Jeder der die Ausbildung absolviert, hat einen anderen Zugang zu potentiellen KundInnen. Von da, wo ich bisher tätig war, beziehe ich meine Kontakte, die ich dann ausbauen kann. Mit Soziokratie habe ich etwas sehr Aktuelles. SKM ist kein Orchideen-Thema mehr, sondern das Angebot besteht darin, Führungskräfte in neue Formen der Entscheidungsfindung und Führung hineinzuführen. Die SKM bietet hier, mit ihren vier Phasen der Umsetzung, ein gut abgestimmtes Vorgehen. Es ist ein großes Feld vorhanden, auch für weitere ausgebildete CSE.

B: Wie gestaltet denn ihr in eurem Team die Zusammenarbeit?

K:  Das regelmäßige gemeinsame Reflektieren sind wir seit unseren Qualitätszirkeln im SoZeÖ gewohnt. Wir nutzen diese Termine intensiv, lernen gegenseitig so viel und bekommen reichlich Anregungen auf eine höchst kollegiale, feine Form. Zusätzlich haben wir einen monatlichen Reporting-Termin, wo wir uns gegenseitig über unsere Projekte und Herausforderungen berichten. Unsere Zusammenarbeit ist äußerst fruchtbar, ich kann jederzeit KollegInnen anrufen, wenn ich einen Rat brauche.

B: Katharina, wie geht es dir heute mit der Trennung von Ausbildung und Beratung? Ich fühle mich ein bisschen als die „Rausschmeißerin“, als ich erstmals 2015, kurz nachdem Katti zertifiziert war, für eine eigenständige Berater-Organisation plädiert habe? Ist diese Strategie aufgegangen?

K: Ja, jedenfalls. Wir können uns nun ganz auf die Beratung konzentrieren und die Zusammenarbeit mit dem Bereich Ausbildung ist ja trotzdem möglich. ZB. als Trainerin von Modulen oder als Mentorin für ein Anwärter*innen-Projekt. Da haben wir jetzt alle mehr Spielraum und müssen nicht in allen Kreisen sitzen. Durch unsere gute Zusammenarbeitskultur ist auch zwischen den verschiedenen Organisationen das Vertrauen sehr hoch.

B: Vielen Dank, Katharina, für diesen schönen Einblick! Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg bei all euren SKM-Implementierungen!