Entscheidungen sind flexibel, wir können sie bei Bedarf erneut auf die Agenda setzen, wenn sie nicht mehr hilfreich sind das Kreisziel zu erreichen. Oft haben sie auch ein Ablaufdatum, einen Zeitpunkt in der Zukunft an dem eine Entscheidung erneut behandelt werden soll.

In der Soziokratie wird allerdings auch zwischen Grundsatz- und Ausführungsentscheidung unterschieden. Der Grund für die Unterscheidung liegt einerseits darin unsere Zeit in Meetings einzusparen und andererseits werden dadurch die Selbstorganisation, Selbstwirksamkeit, Kreativität sowie Führungsqualität jeder einzelnen Person gefördert.

Grundsatzentscheidungen bilden oft den Rahmen innerhalb, dessen die Ausführenden dann möglichst selbst tätig werden und entscheiden sollen. Solche grundlegenden Entscheidungen werden bei Kreisversammlungen gemeinsam im Konsent getroffen.

Jedes Mitglied hat allerdings immer das Recht jedes Thema auf die Agenda seines Kreises zu setzen ungeachtet davon ob es eine Grundsatzentscheidung ist. Daher ist es ein Lernprozess des Kreises, die Kreisversammlungen besonders für die grundsätzliche Politik des Kreises zu nutzen.

Beispiele für typische Grundsatzentscheidungen:

  • Wahl einer Delegierten oder andere Rollen
  • Strategische Ziele
  • Aufnahme von neuen Mitgliedern
  • Budgets

 

Eine Domäne ist der Bereich eines Kreises oder einer Person, innerhalb dessen dieser oder diese selbst entscheidungsbefugt ist.

Jeder Kreis hat dadurch seinen eigenen Gestaltungsraum, innerhalb dessen der Kreis seine Entscheidungen selbst treffen kann. Daraus ergibt sich eine erhöhte Selbstorganisation und Verantwortung der Einheiten. Die Handlungsfreiheiten die sich aus dieser Autonomie der Kreise und Personen ergeben, umfassen unter anderem die Erstellung von Umsetzungsplänen zur Zielverwirklichung, einstellen und entlassen von Kreismitgliedern etc.

Die Domäne und deren Grenzen werden vom jeweils nächsthöheren Kreis festgelegt und bilden neben dem Kreisziel (Mission und Angebot) die Grundlage eines jeden Kreises und finden sich üblicherweise im Logbuch jeder Organisation.

Kreismitglieder sind beispielsweise Mitarbeiter*innen einer Abteilung oder eines Teams. Jeder Kreis ist selbst für die Aufnahme, Entwicklung und Entlassung von seinen Mitgliedern zuständig. Alle Mitglieder haben das Recht Agendapunkte zur Kreisversammlung einzubringen, um sich Gehör zu verschaffen und mitzusteuern. Mitglieder im Kreis haben das Recht eine*n Delegierte*n zu wählen um als Vertrauensperson zusätzlich zur Leitung im nächsthöheren Kreis mitzusteuern. Alle Kreismitglieder sind unabhängig davon, welcher Aufgabe sie in der Organisation nach gehen gleich “mächtig” in der Beschlussfassung des Kreises. Jedes Kreismitglied hat die Möglichkeit die eigenen Argumente und Meinungen zu äußern und in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.

Die Kreisversammlung ist die regelmäßige Besprechung der Kreismitglieder eines Kreises, in der die Grundsätze für den Kreis festgelegt werden. Entscheidungen im Kreis werden im Konsent gefasst. Kreisversammlungen werden stets durch eine Gesprächsleitung moderiert. Kreisversammlungen starten immer mit einer Ankommensrunde. Anschließend werden die organisatorischen Aufgaben wie beispielsweise das Schreiben des Protokolls oder die Gesprächsleitung/Moderation aufgeteilt. Im inhaltlichen Teil der Kreisversammlung wird die vorbereitet Agenda abgehandelt. Dabei wird die Konsent-Methode angewendet um zu Grundsatzbeschlüssen, mit denen alle einverstanden sind zu kommen. Die bei der Kreisversammlung von einem Kreis beschlossenen Grundsätze werden im Logbuch festgehalten und sind dort transparent nachvollziehbar. Der letzte Teil der Kreisversammlung ist die so genannte Abschlussrunde, bei der gemessen wird, wie zufrieden die Kreismitglieder mit der Kreisversammlung sind.

Folgender Musterablauf wird empfohlen:

  • Ankommensrunde
  • Organisieren (Zeitplanung/Protokoll/Termine…)
  • Inhalt / Agenda
    • Fortschrittsberichte
    • A
    • B
    • C
    • ..
  • Abschlussrunde

Gute Vorbereitung ist wichtig um die Effizienz der Versammlung zu erhöhen.

  • Agendapunkte einbringen, vorbereiten, aussenden
  • Fortschrittsberichte schreiben

 

Ein wichtiger Grundsatz für Leitung in der Soziokratie ist der Slogan “Macht mit statt Macht über”.

Die Kreisleitung

  • sitzt zusammen mit Delegierten im nächsthöheren Kreis
  • wird vom übergeordneten Kreis gewählt/beauftragt
  • sorgt für Fortschritt zur Verwirklichung des Kreisziels

Achtung: Die Kreisleitung ist nicht die Gesprächsleitung bei Kreisversammlungen, es wird explizit empfohlen eine andere Person zur Moderation zu wählen.

Relevant am Ende einer Konsentmoderation wenn die Gesprächsleitung in der letzten Phase einer Beschlussfassung alle Mitglieder im Kreis fragt ob sie Konsent oder schwerwiegende Einwände haben. Es wird nochmal unterschieden zwischen schwerwiegenden Einwänden und leichten Einwänden.

Folgende Handzeichen werden dazu häufig verwendet:

  • beide Hände oben = schwerwiegender Einwand  …ich kann diese Entscheidung so nicht mittragen
  • eine Hand oben = leichter Einwand …ich habe Einwände aber trage die Entscheidung trotzdem mit

Einwände können helfen die Lösung zu verbessern daher sollen Einwände argumentiert werden. Meist können Bedenken oder Sorgen im Kreis gut integriert werden.

Nur jedes Mitglied selbst kann beurteilen ob es einen Konsent, einen leichten oder schwerwiegenden Einwand hat.

Zu diesem Basisprinzip gibt es auch die Methode “Offene Wahl” welche als moderiertes Verfahren sicherstellt, dass eine geeignete Person gewählt wird zu der alle Mitglieder im Kreis Konsent haben.

  • Funktionsbeschreibung und Anforderungen klären
  • Nominierungen auf Wahlzetteln schreiben
  • Alle im Kreis nennen ihre Pro-Argumente für die nominierte Person
  • In weiteren Runden können die Mitglieder weitere Argumente nennen und ihre Wahl auch ändern
  • Die Moderation macht einen Vorschlag
  • Alle werden um Konsent gefragt